Archive for Januar, 2007

Zum Wegwerfen zu schade

Mittwoch, Januar 31st, 2007

Wie alle Leute, die schreiben, bin ich, was meine Sätze angeht, ein wenig selbstverliebt. Nichts fällt schwerer, als einen schön gedrechselten Satz über die Klinge springen lassen zu müssen, weil er nicht mehr in den Kontext passt. Mir ist die folgende Passage in meinen Text über ein Lautsprecherkabel geraten, und irgendwie wirkt sie beim dritten Lesen da vollkommen deplaziert. Aber hier, im Weblog, wo die beiden Sätze keinen Sinn machen müssen, sondern einfach so sinnlos und nur zu meinem Trost, dass ich sie nicht komplett löschen musste, für sich stehen können, da dürfen sie bleiben:

“Das ungenaue, vielleicht sogar unzutreffende Wort von den „seidigen“ Streichern beschreibt ja etwas, das man als Hörer über exzellentes HighEnd tatsächlich erleben kann, nämlich einen Klang, der sich von dem Punkt gelöst hat, wo der Bogen auf der Saite reibt, und eine immaterielle Anmutung bekommt. Wenn die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Herbert von Karajan „Tod und Verklärung“ von Richard Strauss spielen, dann klingen die Geigen eben nicht mehr nach mit klebrigem Kolophonium bestrichenen Pferdehaaren, die auf Saiten reiben, welche über Holzkästen aus Fichte und Ahorn gespannt sind, sondern – eben ganz anders, nämlich unwirklich und zu schön, um wahr zu sein.”

Kabelklang, sachlich betrachtet

Mittwoch, Januar 31st, 2007

Wenn einem von allzuviel Kabel-”Philosophie” der Kopf schwirrt, dann bringt einen die FAQ-Seite von Sommer-Cable wieder auf den Boden der Tatsachen. Nicht, dass ich diese Informationen jetzt für der Weisheit letzten Schluss zum Thema “Kabel in Hifi-Anwendungen” halten würde (dazu habe ich schon zu viele, vollkommen unterschiedlich “klingende” Kabel gehört), aber es macht Sinn, sich gelegentlich die absoluten physikalischen “Basics” in Erinnerung zu rufen.

Maria Grinberg spielt Bach und Schubert

Mittwoch, Januar 31st, 2007

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Keine Ahnung, wo mir der Name Maria Grinberg in den vergangenen Monaten begegnet ist. Eigentlich gibt es nur vier mögliche Quellen: Das Tamino-Forum, das Analog-Forum, die Klassik-Zeitschrift Fonoforum oder irgendwo während der Recherche für einen Artikel über Schostakwitschs fünfte Sinfonie. Jedenfalls erinnere ich mich, vor einiger Zeit gelesen zu haben, dass Maria Grinberg die erste russische Gesamtaufnahme der 32 Klaviersonaten von Beethoven unternommen hatte. Irgendwie hatte ich das alles aber auch schon längst wieder vergessen.
Vorgestern habe ich Schallplatten sortiert (das Sortieren von LPs in Regale und die Prinzipien, denen ich dabei folge, wären irgendwann einen eigenen Eintrag wert, das lasse ich jetzt aber beiseite). Mir fiel die Eterna-Pressung einer sowjetischen Melodiya-Einspielung (ETERNA Stereo 827351) in die Hände, von der ich gar nicht wußte, daß ich sie besaß. Sowas kommt in meiner ungeordneten Sammlung gelegentlich vor. Ich werde mir meine analogen Tonträger aber sicher nicht mit einer digitalen Datenbank erschließen. Da lasse ich mich lieber ab und zu von einer LP überraschen, die ich noch nie zuvor bewusst wahrgenommen habe.
Zum Thema: Maria Grinberg (1908-1978) war, wie einige Leute, zum Beispiel bei der englischsprachigen Wikipedia, schon lange vor mir wussten, eine der bedeutendsten Pianistinnen des zwanzigsten Jahrhunderts. Daß wir im Westen sie nicht (oder kaum) kennen lernen konnten, liegt an ihrer erschütternden Lebensgeschichte. Stalins Terror hatte sie schlimmer getroffen als Schostakowitsch. 1937 wurden ihr Mann und ihr Vater umgebracht. Die sowjetische Kulturbürokratie hat Maria Grinberg aber auch nach Stalins Tod (als Leute wie Swjatoslaw Richter oder David Oistrach im Westen stapelweise Platten aufnehmen durften) vollkommen ignoriert.
Nun finde ich es immer etwas vorschnell, bei Künstlern aus einer prekären biografischen Situation heraus auf eine existentielle Dimension in ihrer Kunstausübung zu schließen oder umgekehrt, eine existentielle Dimension auf der Ausdrucksebene ihrer Kunst mit einer schwierigen Lebenssituation zu erklären. Sowas ist totaler Unsinn, wird aber - man betrachte das Beispiel von Kathleen Ferrier und Mahlers “Lied von der Erde” - immer wieder gerne gemacht. Doch wenn man Maria Grinberg die vier Duette BWV 802-805 spielen hört, was ich vorhin gemacht habe, dann erlebt man eine Bach-Interpretation von so tiefer Ernsthaftigkeit, wie das in der Gegenwart, wenn überhaupt jemand, nur Evgeni Koroliov zuwege bringt. Eine Bach-Interpretation von tiefer Ernsthaftigkeit - das ist natürlich auch nur eine leere Worthülse. Aber ich weiß im Moment noch nicht, wie ich das Gehörte besser beschreiben soll. Darum versuche ich auch gar nicht erst, in meinen “schnell hingeworfenen Randbemerkungen zu Musik und Hifi”, denen eine gewisse Oberflächlichkeit ja von vornherein eigen ist, Maria Grinbergs darauf folgender Interpretation der a-moll-Sonate, op. 42, D 845 von Franz Schubert gerecht zu werden.

Wer zufällig LPs von Maria Grinberg auf dem Dachboden findet, der kann sie mir ja trotzdem mal anbieten…

Ausgezeichnet: Elisabeth Leonskaja und Christian Zacharias

Dienstag, Januar 30th, 2007

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Nein, das sind nicht Elisabeth Leonskaja und Christian Zacharias, sondern Christian Zacharias und Werner Dabringhaus (Foto: Stephen Mok, Pressematerial MDG). Frau Pottharst vom Detmolder Klassik-Label Dabringhaus und Grimm (MDG) mailt nämlich gerade, dass die neunzehnköpfige Jury des MIDEM Classical Awards dem Pianisten einen Preis als “Künstler des Jahres” und der Pianistin einen Preis “für die beste Solo-Einspielung des Jahres” zuerkannt hat. Elisabeth Leonskaja erhält den Preis für ihre Einspielung von Johannes Brahms’ op. 116-119.

Was ich daran besonders prima finde? Dass es sich für MDG gelohnt hat, gerade auf Musiker der “mittleren” Generation wie Zacharias zu setzen, die bei den “großen” Labels mittlerweile gar keine Rolle mehr spielen. Oder kennt jemand eine bedeutende Pianistin oder einen bedeutenden Pianisten der Generation zwischen Grimaud und Argerich, die oder der bei Universal, EMI oder Sony halbwegs regelmäßig aufnehmen kann? Mir fällt niemand ein. Dabei müssten die Jahre zwischen 35 und 55 eigentlich besonders produktiv sein. Der Pianist Friedrich Gulda soll in dem Zusammenhang sinngemäß gesagt haben, dass dann der Verstand schon da ist und die Technik noch funktioniert.

So, jetzt aber zum nächsten Kabel-Test für die hifi-tunes. Einen habe ich vorhin abgegeben. Harmonix und ein Budget-Tipp - ein schöner Kontrast im Arbeitsprogramm dieser Woche.

Buvez la pomme!

Freitag, Januar 26th, 2007

Der folgende Text ist zwar nicht mehr besonders aktuell, sondern vor mehr als fünf Jahren für ein Tourismus-Magazin entstanden, aber zur Planung des nächsten Frankreich-Urlaubs vielleicht zu gebrauchen. Ich habe ihn hier mal reingestellt, weil es vor Anfang/Mitte kommender Woche sonst keine Einträge geben wird. Und irgendwie passt er ganz gut in die Savoir vivre-Kategorie.

Fünf Jahre braucht ein Apfelbaum, bevor er Früchte trägt. Und wenn er in der Bretagne oder in der Normandie wächst, stehen die Chancen gut, dass sie nicht gegessen, sondern getrunken werden: Buvez la pomme!

Wie so oft waren es Mönche, die entdeckten, dass sich eine einfache Frucht und ihr Saft zu einem anregenden Getränk veredeln läßt. Seit dem zwölften Jahrhundert produzierten die Klöster Cidre. Aber die Selbstversorger hinter Klostermauern genossen diesen kleinen Luxus des Alltags nicht lange allein. Schon bald kelterten auch die bretonischen Bauern fleißig, um übers Jahr zu Galettes und Crèpes nicht fades Wasser trinken zu müssen. Und wie der Apfelanbau selbst, so wurde auch die Cidre-Herstellung im Laufe der Jahrhunderte zu einer komplexen Angelegenheit, in die Handwerk, Erfahrung und Wissen einflossen.

Das beginnt schon beim Grundprodukt: 4000 Sorten gibt es auf der Welt, was den Apfel zur Kulturpflanze mit den meisten Arten macht. Aber nur etwa 300 davon eignen sich als pommes à cidre. Und wie beim Wein die Auswahl der Rebsorte, so bestimmen auch hier die verarbeiteten Sorten den späteren Geschmack. Die Cidre-Äpfel lassen sich in vier Richtungen unterteilen: les douces (süß), les amères (bitter), les douces amères (süß-bitter) und les acidulées (sauer). Klar, dass jeder Produzent das Geheimnis, welche Sorten er untereinander mischt, streng hütet…

Ganz und gar nicht geheimnisvoll ist die eigentliche Produktion. Wer die Bretagne oder die Normandie bereist, kann bei verschiedenen Museen und Herstellern einen Zwischenstopp einlegen und dort erfahren, wie der Apfel in die Flasche kommt. Eine Möglichkeit liegt ganz nah am Meer, nämlich am Golf von Morbihan: Der Rundgang durch La maison de la pomme et du cidre in Le Hézo bei Vannes beantwortet alle Fragen an Hand von vielen Exponaten und Schautafeln. Selbst die große Bedeutung des Apfels in der Kulturgeschichte wird berücksichtigt – vom “Sündenfall” bei Adam und Eva über Wilhelm Tells Apfelschuss bis zu Isaac Newtons Fall-Experimenten. Immerhin 8000 Besucher jährlich besuchen La maison de la pomme et du cidre, das 1998 von Michel Coudray in Privatinitiative gegründet wurde.

In der Zeit von Mitte September bis Mitte November gehen die Bauern über ihre Obstwiesen und rütteln die Äpfel von den Bäumen, um sie aufzulesen. Die Äpfel werden in einem von Hand per Schwungrad oder mit einem Motor angetriebenen Hexler zu einem sämigen Brei zerkleinert. In eine große Presse gefüllt, wird das Apfelmark dann ausgepresst. Die Pressen der handwerklichen Cidre-Produktion, von denen man in Le Hézo etliche eindrucksvolle Exponate sehen kann, sind mit den Keltern in den Weinkellern vergleichbar. Der Pressvorgang dauert mehrere Tage. Immer wieder muss der Druck in der Presse erhöht werden. Das Gesetz der Hebelwirkung und ein langer Balken helfen, auch den letzten Tropfen Flüssigkeit aus dem Apfelbrei zu pressen. Und in der Primär-Wirtschaft eines herkömmlichen bretonischen Hofes finden schließlich auch die Pressreste noch eine Verwendung als Futtermittel. Vom Pressvorgang bis zur späteren Fassentnahme muss jeder unkontrollierte Kontakt der Flüssigkeit mit Luft vermieden werden. Der ausgepresste Saft wird gefiltert und – zumindest bei der handwerklichen Herstellung – noch immer in Eichenfässern abgefüllt. Bei zehn bis zwölf Grad Celsius in einem kühlen Keller findet dann der Gärprozess statt. Für die spätere Qualität kommt es noch einmal ganz entscheidend auf den richtigen Moment der Abfüllung in Flaschen an. Längst verwenden die Cidre-Produzenten bei der Qualitätskontrolle moderne Instrumente, beispielsweise Densimeter zur Messung des Zuckergehaltes. Vor allem für die Etikettierung ist der Zuckergehalt bedeutend und entscheidet, ob brut oder sec (trocken), doux (lieblich) oder gar très sucrè (sehr süß) auf der Flasche steht. Die wichtigsten Entscheidungen bei der Cidre-Herstellung aber fällt immer noch der erfahrene und feine Gaumen des Produzenten.

Das Endprodukt hat gewöhnlich einen Alkoholgehalt von 5 Volumenprozent – etwa so viel wie ein Bier und weit weniger als Wein. Wenig Alkohol und so viel Kalorien pro Glass wie ein 100 Gramm schwerer Apfel versprechen Genuss ohne Reue. Der Rundgang durch La maison de la pomme et du cidre findet in einer Verköstigung, bei der ein Cidre doux und ein Cidre brut probiert werden können, einen feinen und im Eintrittspreis inbegriffenen Abschluß.

Öffnungszeiten: April – Juni, September – Oktober: Täglich, außer Montag, 14.30h-19h; Juli – August: Täglich, außer Montag, 10h-19h Eintrittspreise: Erwachsene: 8 Euro Kinder (8-12): 5 Euro Kinder (-8): gratis Für Kinder steht ein kleiner Spielplatz zur Verfügung; Einkaufsmöglichkeiten (Cidre, regionale Produkte) gibt es in einer angeschlossenen Boutique. Anfahrt: Aus Richtung Vannes über die N 165 in Richtung Nantes, dann auf die D 780 in Richtung Sarzeau, La maison de la pomme e du cidre liegt kurz vor Le Hézo unmittelbar an der D 780 und ist ausgeschildert. Anschrift: La maison de la pomme et du cidre, Route de Lann-Vrihan, 56450 Le Hézo; Tel/Fax: (0033)297/264740. Keine Gewähr für die Richtigkeit und Aktualität dieser Angaben!

Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2007 unter der Leitung von Zubin Mehta

Donnerstag, Januar 25th, 2007

Familie Strauß und J. Hellmesberger jr.

Neujahrskonzert 2007

Wiener Philharmoniker, Zubin Mehta

DG 4776225 (2 CD)

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Das ging schnell! Nach einer Woche liegt das Neujahrskonzert aus dem Großen Saal des Wiener Musikvereins im Briefkasten. Zubin Mehta dirigierte es zum vierten Mal seit 1990. Jedes Jahr dasselbe? Nein, denn das Konzertprogramm wird jeweils frisch zusammengestellt und Bekanntes wie „Wo die Zitronen blüh’n“ mit Unbekanntem wie dem „Elfenreigen“ und Unverzichtbarem wie der „Blauen Donau“ und dem „Radetzky-Marsch“ neu kombiniert.

Natürlich tritt Mehta dieser Musik nicht wie Harnoncourt 2001 und 2003 mit einer festen „Idee“ und „Prinzipien“ entgegen. Er vertraut auf die mühelose Überredungskraft dieser Musik und dirigiert entspannt. Die Philharmoniker bereiten einem Millionenpublikum ein Amusement, indem sie ein vertrautes Ritual abhalten. Für Mehta sitzen sie dabei vielleicht nicht „auf der Stuhlkante“ wie bei Carlos Kleiber 1989 und 1992. Der „Wiener by education“ fordert weniger und nimmt an, was aus dem Orchester kommt – es war ja auch noch jedes Mal genug. Das Publikum hatte Vergnügen an Walzern, Polkas und Märschen. Der Rezensent auch. Denn Wien bleibt Wien. Wem es allerdings um die “ultimative” Strauß-Einspielung geht, der suche nach den angedeuteten Alternativen. Heinz Gelking

Audiophilius humane

Mittwoch, Januar 24th, 2007

Der Autor einer türkischen Internetseite zum Thema “High End” hat sich an einer Definition des gewöhnlichen High Enders gemacht: Audiophilius humane. Keine Ahnung, wie gut sein Latein ist, aber der eine oder andere Satz trifft definitiv ins Schwarze.

Verhältnisse gerade gerückt

Mittwoch, Januar 24th, 2007

Weblog-Einträge wie diese zu lesen, vor allem die Kommentare, das rückt die Maßstäbe mal wieder gerade und eröffnet einen schönen Blick darauf, wie Leute, die mit “High End” nichts am Hut haben, über uns denken.

Die Liebe zum Licht - Fotoausstellung im Museum Bochum

Dienstag, Januar 23rd, 2007

Eine Ausstellung im Museum Bochum zeigt, wie die physikalische Grundlage jeder Fotografie, das Licht, im Foto zum Thema wird. 67 Künstler sind mit 220 Werken an der Ausstellung beteiligt. Die Ausstellung dauert noch bis zum 9. April 2007 an.

Stereo-Aufnahmen der Wiener Philharmoniker

Dienstag, Januar 23rd, 2007

Es ist immer wieder erstaunlich, welchen Fleißarbeiten man im Internet begegnet. Da hat doch tatsächlich ein japanischer Platten- und CD-Sammler eine Diskografie der Wiener Philharmoniker ins Internet gestellt. Als Plattensammler erschließt man sich die Informationen am besten über die Unterseiten. Wer da eine bestimmte Nummer anklickt, zum Beispiel EMI No. 1, kommt auf eine Seite mit Cover-Abbildungen und Aufnahmelisten.

Nur zwei Text-Ergänzungen

Dienstag, Januar 23rd, 2007

Der Text über die CD von Pepe Justicias wurde um Anmerkungen zur Klangqualität und der Text über den Prototypen von Dr. B. Fuß wurde um Erläuterungen ergänzt.

Begriffe aus der Tontechnik

Montag, Januar 22nd, 2007

Ein wahres Lexikon an Begriffen aus der Tontechnik von Abbildungsbreite bis Wellenlehre hat Eberhard Sengpiel zusammengestellt. Eberhard Sengpiel dürfte einer der wenigen Deutschen sein, die zwei Grammys gewonnen haben (u.a. 2003 für eine Tannhäuser-Einspielung unter der Leitung von Daniel Barenboim). Für das Design seiner Seite gewinnt er, mit Verlaub, von mir allerdings keinen Blumentopf. Inhaltlich dürfte es zum Thema “Aufnahmetechnik” im deutschsprachigen Internet aber wohl nicht Vergleichbares geben.

Pepe Justicias: trece noches

Sonntag, Januar 21st, 2007

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Im typischen Flamenco-Ensemble blieben geradezu archaische Musizierweisen erhalten: Canta – der Gesang, Palmas y jaleos – Händeklatschen und Rufen, Taconeos – das rhythmische Stampfen von Tänzerinnen und Tänzern, Bateria – eine Vielfalt an Percussionsinstrumenten. In dieser Umgebung kommt es für einen Gitarristen nicht auf einen besonders schön modulierbaren und lange nachklingenden Ton an, sondern auf Durchsetzungsfähigkeit. Eine Flamenco-Gitarre muß laut sein. Darum haben die Instrumente eine besondere Bauform. Sie sind schmaler als normale Konzertgitarren, und Decke, Boden und Zarge sind dünner ausgeführt. Hinzu kommt eine besondere Spielweise mit einem großen Repertoire an Zupf- und vor allem Schlagtechniken. Wenn Pepe Justicia spielt, dann ist er von Carlos Santana auch nicht weiter entfernt als von Andrés Segovia. Die Gitarre entfaltet unter seinen Händen einen geradezu explosiven, extrem dynamischen Klang – das „rockt“. Der Horizont des Spaniers ist weit. Pepe Justicia fühlt sich von Paco di Lucia und Carlos Santana über klassische Komponisten wie Tárrega, Albeniz und Sor bis hin zu den Beatles oder Credence Clearwater Revival beeinflusst. Er hat wichtige Preise bekommen und mit Stars wie Nina Corti gearbeitet.Die Stücke auf seiner neuen CD, trece noches (= dreizehn Nächte), sind rhythmisch sehr variabel. Einerseits ist diese Vielfalt der Rhythmen, die manchmal sogar innerhalb eines Stückes wechseln, im Flamenco immer schon angelegt, schließlich unterscheiden sich seine verschiedenen Formen nach dem jeweils zugrunde liegenden Tanzrhythmus wie Tangos, Tanguillo Buleria, Rumba und so weiter. Doch Pepe Justicia ist noch weiter gegangen und betont die rhythmische Vielfalt, indem er mit nicht weniger als fünf verschiedenen Percussionisten an den Stücken für trece noches arbeitete (und überraschender Weise sogar mit einem deutschen Trompeter, nämlich Bernhard Münchbach).

Der Flamenco ist eine widersprüchliche Kunst – enorm stilisiert in seinen Ausdrucksmitteln und gleichzeitig spontan im Ausdruck selbst, immer aber: mitreißend. Pepe Justicia spielt ihn mit äußerster Virtuosität und großer Hingabe. Dicke Empfehlung für trece noches!

Tracklist: 

1. Amantes (Tangos)
2. Calor de pasion (Tanguillo Buleria)
3. Estrepito (Rumba)
4. Cuando se acaba (Seguiriya)
5. Reflejos (Bulerias)
6. Cuestion de piel (Bossa Rumba)
7. Los días solitarios (Taranta)
8. Ritmo de ilusión (Solea por Bulerias)
9. La Gringa (Rumba)
10. Fuego frío (Alegrias)
11. Contraste (Sevillanas)
12. Como un soneto(Solea)
13. Un adiós lejano (Balada)

Dieser Text befindet sich noch in der Überarbeitung. Wenn er fertig ist, wandert er ins Magazin.  

 

Ergänzung vom 22.01.2007:

Die Aufnahmen wurden von dem Gitarristen Thomas Vogt abgemischt. Er betreibt in Freiburg ein Tonstudio und hat viel Erfahrung mit Gitarrenaufnahmen. Die Musik klingt enorm dynamisch, druckvoll und vorwärts gerichtet. Für meinen Geschmack springt sie den Hörer fast zu direkt an. Das Stereo-Panorama ist breit. Pepe Justicias Gitarre kommt für meinen (allerdings auch sehr puristischen) Geschmack etwas zu groß rüber. Aufnahmetechnisch ist das wegen einer relativ “dichten” Mikrofonierung eher am Pop oder Jazz orientiert, als an dem Ideal, den Klang der Instrumente im Raum aufzuzeichnen (wie das Klassik-Labels wie beispielsweise MDG oder Tacet machen). Trotzdem: Das lebendige und direkte Klangbild passt gut zur Musik.

Claudio Arrau spielt Beethoven und kommentiert:

Sonntag, Januar 21st, 2007

“(…)

Zuallererst die Frage nach der Partiturtreue. Ich habe oft betont, daß Genauigkeit einer der Angelpunkte jeder Interpretation ist. Aber ich habe ebenso oft gesagt, daß sie nur die Grundlage für die Interpretation bildet. Sie ist das Sprungbrett, von dem der Interpret abheben kann. Je sicherer die Grundlage, desto größer sind die Möglichkeiten echter musikalischer Imagination.

(…)”

Aus dem Cover-Text einer Beethoven-LP von 1972 (op. 13, 27.2, 23) von Claudio Arrau.

Prototyp

Samstag, Januar 20th, 2007

Was ist das?

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Eine Idee von Dr. B. Fuß, noch im Versuchsstadium. Der Entwickler plant keine kommerzielle Verwendung. Demnächst etwas ausführlicher…
Foto: Dr. B. Fuß. Mit freundlicher Genehmigung abgebildet.

Ergänzung vom 22.01.2007:

Es handelt sich um ein magnetgekoppeltes Pulley zum Antrieb eines Plattentellers im ersten Versuchsstadium. Unten befindet sich der Motor mit Antriebsscheibe, oben die korrespondierende Scheibe mit dem Pulley (Messing) auf einer Präzisionsstahlwelle. Beide Scheiben sind durch das Magnetfeld der in ihnen montierten Magnete gekoppelt. Die Vibration des Motors wird gefiltert. Die Übertragung der Rotationsenergie auf das Motorpulley erfolgt berührungslos.

Wie gesagt: Es handelt sich um ein nicht-kommerzielles Projekt. Herr Dr. B. Fuß baut seinen Plattenspieler “für sich”; gewerblich ist er mit der Entwicklung von Elektronik und dem Bau von Verstärkern beschäftigt.

Isabelle Antena hat meinen Text gekla… komplett zitiert.

Donnerstag, Januar 18th, 2007

Soll ich mich über diesen Copyright-Verstoß jetzt ärgern oder freuen?

Ich freue mich.

Es geht um diesen Text.

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