
Bei mir laufen regelmäßig Pressemitteilungen ein, in denen Tonträgerfirmen ihre Neuerscheinungen ankündigen. Natürlich sind das Gebrauchstexte, und eigentlich würde mir eine simple, kommentarlose Liste zur Information reichen - so macht’s beispielsweise das Label MDG. Eine schlichte Liste ist jedenfalls besser als ein fehlerhafter Text in dem Sting, der Englishman in New York, zum amerikanischen Rockstar erklärt wird, wie ich es vor einigen Wochen erlebt habe…
Überhaupt gilt: Je “arbeitsteiliger” bei einem Label gearbeitet wird, desto unpersönlicher und reklameartiger erscheinen die Ankündigungen. Alles wird zur Sensation aufgeblasen und das Meiste kommt hochglänzend und auf teuerstem Papier ins Haus. Ich muss von sowas gelegentlich mal ein Foto machen…
Aber egal - darauf will ich jetzt gar nicht hinaus.
Ich habe mich nämlich vor einiger Zeit über eine Pressemitteilung gefreut, weil sie so ganz anders war: klüger und besser formuliert als alles, was mir von den PR-Abteilungen der großen Labels auf den Tisch kommt, vor allem aber viel persönlicher. Ich finde die Pressemitteilung von Andreas Spreer für die neue CD von Evgeni Koroliov so schön, weil sie ehrliche Begeisterung vermittelt. Man muss dem Label-Chef einfach glauben, dass er von Koroliovs neuer CD ganz hingerissen ist:
Die Blumen, so hoch sie wachsen,
Sind blass hier, wie der Tod;
Nur Eine in der Mitte
Steht da im dunkeln Rot.
Die hat es nicht von der Sonne:
Nie traf sie deren Gluth;
Sie hat es von der Erde,
Und die trank Menschenblut.
Sehr geehrte Damen und Herren,
die Platte beginnt mit einem kleinen Stück nach diesem dem Wahnsinn nahen Gedicht von F. Hebbel. - Evgeni Koroliov arbeitet deutlich und doch ohne jede Übertreibung die extremen Stimmungsunterschiede Robert Schumanns in den hier ausgewählten Werken heraus. So unterschiedliche Zyklen wie die Kreisleriana und die Kinderszenen entstanden fast gleichzeitig. Wie muss sich Schumann beinahe täglich innerlich zerrissen haben! Das Wort “Genie” will auf Koroliov nicht so recht passen. Sein Spiel ist irgendwie so “menschlich”, er bringt dem Hörer die Musik so nahe - Alles scheint leicht, und es scheint genau so sein zu müssen. Und was das Schönste ist: Koroliov drängt sich nicht auf. Wir müssen ihm lauschen - weil er einfach soo schön spielt. - Sie merken, ich bin ein hoffnungsloser Koroliov-Fan… Bei der Gelegenheit: Koroliov hat mit uns vereinbart, in den nächsten Jahren u. a. die großen Klaviersonaten von Beethoven für TACET aufzunehmen.
(…)
Mit freundlichen Grüßen
Andreas Spreer
TACET153CD THE KOROLIOV SERIES VOL. IX Robert Schumann - Kreisleriana op. 16 - Bunte Blätter op. 99, 1-8 - Kinderszenen op. 15 - Waldszenen op. 82 (Verrufene Stelle und Vogel als Prophet) Evgeni Koroliov, Klavier