Archive for the ‘Fragwürdiges’ Category

Journalismus und Blogs - ach ja, und noch einmal die Klassikakzente

Freitag, Februar 23rd, 2007

Sind Blogger nun Journalisten oder nicht? Ich habe keine Antwort auf diese immer wieder an Orten wie diesem aufgeworfene Frage. Jedenfalls zähle ich mich zu den Leuten, die - auf fremde Rechnung - journalistisch arbeiten und - zum Vergnügen und per Selbstausbeutung - nebenbei ein wenig bloggen. Ich mache das so, weil ich das will.
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Vergegenwärtigen wir uns an dieser Stelle, dass die Kategorien im www ein wenig verschwommen sind. Es gibt Journalisten und Blogger. Beide Gruppen publizieren regelmäßig zu allen möglichen Themen, behaupten Tatsachen und vertreten Meinungen. Das Problem liegt darin, dass sich Journalisten dabei an den Pressekodex gebunden fühlen (sollten), Blogger dagegen vollkommen frei in ihrem Tun sind, solange sie nicht auf Kollisionskurs mit den Rechten anderer oder dem Gesetz geraten. Gut, dass es gewisse Mechanismen gegenseitiger Kontrolle gibt. Auch als Blogger kann man sein wichtigstes Kapital verspielen: die Glaubwürdigkeit.

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Jetzt wird’s delikat: Die Firma Blogpay.de beschäftigt sich mit der Vermarktung von Weblogs. Das ist selbstverständlich nichts Ehrenrühriges, und wenn ich morgen einen Anruf von einer Agentur bekäme, die hier Werbeplatz für einen Möbelhersteller, Autokonzern oder Versicherungsanbieter buchen wollte, so würde ich sagen: Bitte, gerne, was zahlt Ihr? Pecunia non olet!
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Blogpay.de hat aber einen Vorschlag, der etwas seltsam riecht: “Klassische, im Blogumfeld eher unbeliebte Werbemittel wie Banner oder Pop-Ups werden bei Blogpay durch “Kontext-Placement” ersetzt. Beispiel: Ein Musikblog könnte im Rahmen seiner täglichen Berichterstattung eine Kritik zu der CD X veröffentlichen, was vom jeweiligen Musikverlag entlohnt wird. Um den journalistischen Anspruch zu wahren, muss die Berichterstattung selbstverständlich unabhängig und unbefangen erfolgen.” (Quelle: http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=070222027)

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Einerseits liegt die Betonung auf einer unabhängigen und unbefangenen Berichterstattung. Insbesondere ist eine “Kritik” eine journalistische Darstellungsform. Andererseits soll es nach dem Vorschlag von blogpay.de der Musikverlag sein, also der Produzent der CD sein, der unmittelbar für eine CD-Kritik in einem Weblog bezahlt. Ob blogpay.de sich dieses Modell bei den Klassikakzenten, mit denen ich mich hier in ähnlicher Sache beschäftigt hatte, abgeguckt hat?

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Wenn A über B berichtet und B dem A dafür Geld gibt, dass er das tut, dann kann die Berichterstattung nicht unabhängig sein. So einfach ist das.
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By the way: Wenn der Chefredakteur einer Klavier-Zeitschrift, Carsten Dürer, für eben dieses Werbeblättchen der Universal einen großen Artikel über den Pianisten Yundi Li schreibt, dann würde ihm eine normale Zeitung vermutlich den Stuhl vor die Tür setzen. Begründung: Glaubwürdigkeit verspielt, in Interessenkonflikte geraten. Aber das wird nicht passieren. Der Herausgeber wird seinem Chefredakteur schon den Rücken stärken.

Händels Oratorium “Messiah” und Mozarts Fassung “Der Messias”

Montag, Februar 19th, 2007

messiahtitle.jpg

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Die K & K Verlagsanstalt spricht von einer Weltpremiere, weil Händels Messiah und Mozarts Fassung Der Messias noch nicht zuvor

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“… in der Kirche des UNESCO-Weltkulturerbes Kloster Maulbronn …
… mit Jürgen Budday als Dirigent …
… dem Barockorchester Hannoversche Hofkapelle …
… dem Maulbronner Kammerchor ..
.. in historischer Aufführungspraxis …”

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aufgenommen worden sei.

Große Worte… Auf der anderen Seite gibt es natürlich unzählige Einspielungen von Händels Messiah, und auch Mozarts Fassung wurde natürlich schon eingespielt (zum Beispiel von Sir Charles Mackeras und von Andrew Parrot). Aber im selben Raum, mit dem selben Orchester und dem selben Chor unter dem selben Dirigenten - das bietet tatsächlich einmalige Vergleichsmöglichkeiten.

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Ich habe mit der K & K-Verlagsanstalt verabredet, dass ich hier einen Link zu zwei Hörproben setzen darf, die allen Interessierten einen kurzen Vergleich ermöglichen. Ich habe mich für das letzte Stück des ersten Teils entschieden. Hier in der ursprünglichen Fassung von Händel:

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18. Chorus
His yoke is easy, and His burthen is light

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… und hier in Mozarts Bearbeitung und mit deutschem Text:

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18. Chor (mit Solisten)
Sein Joch ist sanft, leicht seine Last

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Viel Spaß beim Hören.

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PS: Dies ist weder Werbung, noch eine Rezension der beiden Einspielungen. Die K & K Verlagsanstalt profitiert von der Öffentlichkeit, die sie hier für ihre beiden Aufnahmen bekommt, und ich profitiere davon, meinen Leserinnen und Lesern mit den mp3-files einen kleinen Extra-Service bieten zu können. Das ist alles.

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Samstag, Februar 10th, 2007

Beitrag hier gelöscht und in den internen Bereich des AAA-Forums eingestellt.

Ein Widerspruch in sich: Das Impressum der Klassikakzente

Dienstag, Januar 16th, 2007

Die Universal Music GmbH verkauft CDs. Sie besitzt in ihrer Abteilung “Universal Classics” ein paar der bedeutendsten Klassik-Label der Welt, nämlich Deutsche Grammophon, Decca, Philips und ECM.

Um über ihre Klassik-CDs zu informieren Werbung für ihre Klassik-CDs zu machen, gibt Universal Classics eine Zeitschrift heraus, die Klassikakzente heißt. Marketing-Fachleute nennen so etwas b2c-Publikation. Das steht für “business to consumer” und ist nichts Schlimmes, sondern ziemlich klug, weil es der Kundenbindung dient. Und die Kunden sind ja nicht dumm. Ebenso wie niemand in Avenue, dem Magazin für Peugeot-Kunden, einen kritischen Artikel über diese Automarke erwarten wird, oder in der Bäckerblume einen kritischen Bericht über die Hygiene in Bäckereien, und da gäbe es viel zu schreiben, so erwartet bestimmt auch niemand in den Klassikakzenten einen unabhängigen, womöglich sogar kritischen Beitrag über eine CD der Deutschen Grammophon. Es bleibt über die Situation ja auch niemand im Unklaren, der sich mal eben ins Impressum der Online-Ausgabe klickt, wo klipp und klar steht: Die Webseite wird “im Auftrag von Universal Classics” betrieben.

So, jetzt sind wir an der Stelle, wo es etwas komisch, nein ärgerlich wird. Obwohl die Klassikakzente von Universal Classic herausgegeben werden und einen Chefredakteur mit einer Mail-Adresse haben, die auf /ätt/umusic.de endet, steht da im Impressum der Online-Ausgabe ein wunderlicher Satz: “Aktuelle Inhalte werden von unabhängigen Fachjournalisten erstellt.” Wie das mit der Unabhängigkeit funktionieren soll, wenn Universal die Brötchen bezahlt, das frage ich mich. Und als Rezensent von Klassik-CDs finde ich es schlecht, dass in den Klassikakzenten über den PR-Texten der Begriff “Rezension” steht.

Herr Csampai lobt, Teil 2

Freitag, Dezember 8th, 2006

Heute, am 8.12.2006, um 21.03 hört Herr Csampai im Bayerischen Rundfunk neue CDs “kritisch”. Hier das für die Sendung KlassikPlus angekündigte Programm, per copy and paste von der BR-Seite zwecks Zitierung ohne Veränderung übernommen:

Neue CDs kritisch gehört: Klaviermusik
Mit Attila Csampai
Ludwig van Beethoven: Klaviersonate C-dur, 1. Satz, op. 2, Nr. 3; Sergej Prokofjew: “Die Liebe zu den drei Orangen”, Marsch; Franz Liszt: “Paganini-Etüde Nr. 5″; Ludwig van Beethoven: Klaviersonate c-moll, 1. Satz, op. 13 (Emil Gilels, Klavier) und Klaviersonate c-moll, 1. und 2. Satz, op. 13 (Paul Lewis, Klavier); Klaviersonate f-moll, 1. Satz, op. 2, Nr. 1; Klaviersonate A-dur, op. 2, Nr. 2 (Michael Korstick, Klavier); Ludwig van Beethoven/Franz Liszt: Symphonie Nr. 7 A-dur, 2. Satz; Symphonie Nr. 9 d-moll, 4. Satz (Konstanin Scherbakov, Klavier); Sergej Rachmaninow: Klavierkonzert Nr. 1 fis-moll, 1. Satz; “Paganini-Rhapsodie” (Boris Berezovsky, Klavier; Philharmonisches Orchester des Ural: Dmitrij Liss)

Von den fünf Pianisten, deren neue CDs Attila Csampai “kritisch” vorzustellen beabsichtigt, ist also einer tot (Emil Gilels). Von den vier verbleibenden Pianisten werden immerhin zwei, nämlich Michael Korstick und Konstantin Scherbakov, von der Konzertagentur Quintessenz Artists betreut, jener Konzertagentur, in deren Impressum uns der Name Csampai wieder begegnet.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Niemand hat etwas dagegen, dass Attila Csampai beim BR neue CDs von Pianisten vorstellt. Das macht er sehr gut. Aber es müssen ja nicht so viele darunter sein, die gleichzeitig von Monika Csampais Konzertagentur betreut werden, oder?

Herr Csampai lobt

Donnerstag, Dezember 7th, 2006

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So füllt man eine Zeitschrift: Der “Chefredakteur” Christian Warlo (rechts) lässt sich vom “Redakteur” Klaus Wunderwald (links) interviewen…

Man stelle sich vor, jemand macht eine Zeitschrift. Nennen wir sie “Musikhören”. Lassen wir die Frage, ob die Zeitschrift “Musikhören” gelungen oder nicht gelungen ist, mal ganz außen vor, denn wenn ich mich zur Qualität der Zeitschrift äußern würde, hieße es natürlich, ich sei befangen.

Nehmen wir weiterhin an, dass der Chefredakteur nach kurzer Zeit, genau genommen nach einer Ausgabe, abgesetzt wurde, weil den Investoren die Richtung nicht gefiel, die die Zeitschrift genommen hatte. Sowas ist vielleicht nicht toll, aber ganz normal. Vor allem dann, wenn der Investor ein Verein ist, der klar definierte Ziele verfolgt, die der Chefredakteur aus den Augen verloren hatte.

Und jetzt wird es etwas delikat: Der abgesetzte Chefredakteur veröffentlicht unter einem anderen Titel eine neue Zeitschrift, die zu rund 80 Prozent aus Vorwürfen gegen den Verein und aus Lob für den abgesetzten Chefredakteur besteht. Die Lobhudelei besteht unter anderem darin, dass sich der Chefredakteur von seinem Redakteur interviewen lässt, und aus dem Abdruck von Leserreaktionen. Gleich an fünfter Stelle liest man eine Mail mit einem relativ prominenten Absender: Attila Csampai, Bayerischer Rundfunk, München.

Tatsächlich lobt Herr Csampai die von Herrn Warlo geleitete Zeitschrift “Musikhören” voller Überschwang. Wer die erste Ausgabe von “Musikhören” aufmerksam gelesen hat, dem wird allerdings nicht entgangen sein, dass Herr Csampai nebenbei auch an “Musikhören” mitgewirkt hat. Zur Verteidigung von Herrn Csampai muss allerdings gesagt werden, dass er mit seiner Doppelfunktion gar nicht hinterm Berg hält, denn er war “stolz, bei einer Zeitschrift mitwirken zu dürfen, die auf Anhieb der recht maroden Hifi- und Musikszene ein ganz neues und traditionsbewusstes Profil verleiht (…).” Aber etwas komisch wirkt das schon. So eigenlöblich. Und der Zusatz Bayerischer Rundfunk, München wäre auch nicht nötig gewesen, wenn er seinen externen Auftraggeber lobt. An dieser Stelle muss allerdings festgehalten werden, dass Herr Csampai so ein Eigenlob eigentlich nicht nötig hat. Er kann nämlich was. Das steht außer Frage.

Zurück zu Herrn Warlo und “seiner” Publikation. Er untermauert den Erfolg von “Musikhören” mit weiteren “Leserreaktionen”. So meldete sich auch eine Monika C. von der Künstleragentur Quintessenz Artists, deren Mail (”unglaublich toll!”) abgedruckt wurde. Upps, wenn man sich mal das Impressum der Internetseite der Künstleragentur Quintessenz Artists anschaut, drängen sich schnell Zusammenhänge auf.

Auch C steht für Csampai, wenngleich nicht für die selbe Person. Aber dass Frau M. Csampai und Herr A. Csampai nichts miteinander zu tun haben, das will man nun auch nicht annehmen. Im Gegenteil, beide schätzen die selben Pianisten. Rein zufällig vermutlich.